Der Bioenergiehof Obernjesa stellt sich vor
|

Bioenergieanlage in Obernjesa
|
In Obernjesa hat sich etwas getan. Die Bioenergieanlage, deren Fertigstellung den erwarteten Termin vom 30. November 2002 weit überschritten hat, ist nach längerem Probelauf in Betrieb gegangen. Die Anlage benötigte zum Anlaufen ein Substrat zur Bakterienbildung: 300 m³ Rindergülle und 300m³ Oberflächenwasser sowie Silagesaft. Diese wurde am 13. März in den Fermenter gepumpt, um den biologischen Prozess in Gang zu bringen. Vier Wochen waren für die Aufheizzeit des Fermenterinhaltes von 3° auf 38°C geplant, schon nach etwa 14 Tagen war das Ziel erreicht.
|

Blockheizkraftwerk mit Heizöltank
|
Da zu dem Zeitpunkt noch kein Gas vorhanden war, wurde das BHKW mit Heizöl betrieben,. Ganz ohne Probleme verlief die Aufheizphase natürlich nicht, der Motor ging häufiger auf Störung.
Nach dieser relativ kurzen Aufheizphase erwartete man, dass auch die Bakterien sich auf die Temperatur eingestellt hatten und arbeitswillig waren. Da wurden wir aber eines Besseren belehrt. Sie haben sich noch 10 Tage Ruhezeit gegönnt, um dann stetig und kräftig ihre Arbeit zu beginnen.
|

Volvo Zündstrahlmotor mit Generator
im Vordergrund
|
Am 14. April begannen wir mit der Zufuhr von Silage in den Fermenter und das BHKW konnte auf Gas umgestellt werden. Das BHKW hat einen so genannten Zündstrahl -Motor, verbrennt 90 % Gas und 10 % Heizöl und produziert 110 KW/h. Höchstleistung wären 160 KW, die leider nicht an das öffentliche Netz geliefert werden können, da die Leitungskapazität nicht ausreicht.
|

Das Innere des Maschinenhauses: Exenterschneckenpumpe (unten links) und Wärmetauscher
|
Die "gefütterte" Silage wird bakteriell umgesetzt, das gebildete Gas in den Nachgärbehälter (1100 m³ ) geleitet und dort gespeichert. Durch entstandenen Druck wird es zum BHKW geleitet. Der erzeugte Strom wird in das öffentliche Netz gespeist, die Wärme, ein "Abfallprodukt", gelangt über Wärmetauscher und Fernwärmeleitung in das Maschinenhaus zum Tauscher. Ein Teil der Wärme wird für den Temperaturerhalt des Gärsubstrates benötigt. Auch das Seminarhaus, das der Öffentlichkeitsarbeit dient, das Wohnhaus des Hofes sowie die Mietwohnungen werden mit Fernwärme versorgt.
Die Aufheizung des Gärsubstrates zur Erhaltung der Temperatur von 38°C erfolgt durch pumpen aus dem Fermenter über den Wärmetauscher in den Fermenter zurück Diese Pumpe fördert auch das Substrat aus dem Fermenter in den Nachgärbehälter, wenn der Füllstand von 7,5 m erreicht ist. Man sieht auf der nachfolgenden Abb. im Fordergrund eine "Verteilerstelle", von der aus das Substrat über die Pumpe durch einen entsprechenden geöffneten Schieber durch den Wärmetauscher oder in den Nachgärer gefördert wird.
|

Das Seminarhaus des Bioenergiehofes Obernjesa
|
Es war einmal angedacht, dass die Bioenergieanlage, ausser dem eigenen Betrieb auch der Nachbarschaft und vielleicht den Anwohnern in der ganzen Strasse Wärme liefern könnte. Es hat sich herausgestellt, dass die Anlage dazu zu klein ist. Im Winter wird so viel Wärme von den angeschlossenen Häusern und dem Fermenter benötigt, dass eine beständige ausreichende Versorgung nicht gewährleistet ist. Im Sommer würde die Energie ausreichen und könnte mit Leichtigkeit die Anwohner der Strasse versorgen: Zukunftsmusik.
Es wurde u.a. erwähnt, dass das Seminarhaus, das der Öffentlichkeitsarbeit dienen soll, von der Anlage mit Wärme versorgt wird.
|

Sitzecke in der Eingangshalle
|
Dieses Haus wurde in den ganz frühen Jahren zum Teil als Gärtnerei, sonst aber für landwirtschaftliche Zwecke verwendet. (Getreideboden, Getreidereinigung und anderes mehr. Wie sich ein Haus doch verändern kann! Eigentlich sollten in dem Gebäude ein Seminarraum und das BHKW mit dem 10.000 LTR. Heizöltank untergebracht werden, was sich aber aus technischer Sicht nicht realisieren ließ.
So konnten die Räumlichkeiten anders genutzt werden und es entstand eine großzügige Eingangshalle.
|

Die Halle mit Aufgang zum Seminar
|
Der sanitäre Bereich wurde ebenfalls auf der Ebene eingerichtet. Über eine Treppe gelangt man zu einer Küche und dem Seminarraum im 1. Stock.
|

Die Küche gleich neben dem Seminarraum
|
Die Küche bietet die Möglichkeit, Seminarteilnehmer für den ganzen Tag auf zu nehmen und zu beköstigen.
|

Teilansicht des Seminarraumes
|
Für Öffentlichkeitsarbeit und andere Veranstaltungen bietet der Seminarraum ein uriges und gemütliches Ambiente.
|

Seminarraum ( größerer Ausschnitt )
|
Und hier zeigt sich die Urigkeit dieses Raumes, der in allen Einzelheiten wie früher geblieben ist. Nur der alte Holzfußboden wurde abgeschliffen, Decke, Fachwerk und Gebälk wurden in dem alten Zustand - unbehandelt - belassen.
Es war eine unruhige und aufwendige Zeit. Sie hat in der Planung gewisse Aufregung gebracht, ebenso in der Bauphase. Die Aufregung ist noch nicht ganz vorbei, denn die Anlage hat natürlich auch Kinderkrankheiten.
Was sagen Sie? Es stehen schon 2000 Anlagen in der Bundesrepublik und da müsste alles auf Anhieb laufen!? Irrtum! Jede Anlage, und wenn noch so viele in Deutschland stehen, ist ein individuelles Bauwerk, das jeden Betreiber so manches mal unruhig werden lässt. Er muss sich in die Anlage hineindenken, muss überlegen, was sie zu einem relativ reibungslosen Ablauf benötigt und muss fest daran glauben, dass alles zu bewältigen ist - auch als Anfänger! Ich habe keine Zweifel und wir freuen uns, dass wir mitwirken in der Arbeit für die Zukunft und die Umwelt. Und wir sind dankbar, dass es die VRD ENERGIE STIFTUNG, Mannheim gibt, die zum Wohle des Fortschrittes und der Zukunft diese Bioenergieanlage in Obernjesa finanziell großzügig unterstützt.
© Text: H.-W. Körber-Harriehausen
© Bilder: W. Kailuweit Jühnde
|